Herner Schiris schlagen sich wacker und sorgen für gute Stimmung

Anstatt selbst knifflige Entscheidungen im Schiri-Dress zu treffen und Einzelsituationen zu bewerten, reisten zehn Referees aus dem Kreis 15 am vergangenen Samstag nach Dortmund ins Pappelstadion von Westfalia Wickede, das als Schauplatz der Westfalenmeisterschaft für Schiedsrichtermannschaften diente. Ohne vorher nur eine Sekunde trainiert zu haben, ging der Fünfzehner-Kader in die Gruppenphase des Turniers.

Gregor Werkle, der Vorsitzende des Kreisschiedsrichterausschusses (KSA), hatte nach reiflicher Überlegung als Cheftrainer eine schlagkräftige Truppe aus Fünfzehnern zusammengestellt und seine Vorstellungen eingehend thematisiert: Einsatzbereitschaft und Leidenschaft – in jeder Hinsicht. Werkle, der einst selbst an der Schwelle zum Profifußball gekratzt hatte, sich aber letztlich für die Pfeiferei entschied, machte es sich auf einem Stuhl der Kategorie „Fliesentisch“ gemütlich.

Die Herner ließen dem Gegner keine Luft zum Atmen.

Die Handschrift des Trainers war im ersten Spiel bereits im Ansatz zu erkennen. Gegen die Nachbarn aus Bochum hielten die Herner in einer starken Anfangsphasse gut mit, ehe Torhüter Dmitri Trahtenberg bei einem eigentlich harmlosen Ball geschlagen war – 0:1. Obwohl die Fünfzehner alles gaben, um den Rückstand noch aufzuholen, gingen die Städtenachbarn als Sieger vom Platz. Dabei gab es mehrere Chancen, den Ausgleich zu schießen. Meik Jahr vergab nach einem Zuckerpass von André Wiegold – seine einzig nennenswerte Aktion auf dem Platz – freistehend die Chance, den Ball im gegnerischen Tor unterzubringen. Das Schüsschen parierte der gegnerische Torwart ohne Probleme.

Der Gegner im zweiten Spiel: Hagen. Nach einer Stunde Pause waren die Fünfzehner hochmotiviert, die Pleite aus der ersten Partie wieder wettzumachen. Und das gelang zunächst: Yusuf Altuntepe schoss den Kreis 15 mit einem Doppelpack mit 2:0 in Führung. Die zahlreichen Scouts auf der Sportanlage rieben sich verwundert die Augen. Gregor Werkle hatte offenbar die richtigen Worte gefunden. Doch dann geschah Unglaubliches: Mit einer desaströsen – und vielleicht arroganten – Abwehrleistung verspielte das Team den Vorsprung, weshalb unterm Strich nur ein 2:2 heraussprang. Der Abwehrleistung von Dirk Szkudlarski und Tom Roehl sei Dank, dass die Herner immerhin einen Zähler mitnehmen konnten.

In der dritten Partie ging es gegen die Nachbarn aus Gelsenkirchen. Diese hatten vor dem Anpfiff großmundig verkündet, die Fünfzehner mit 5:0 „vom Platz fegen“ zu wollen. Welch Fehleinschätzung! Die Herner hielten mit allen Mitteln dagegen und machten es der Truppe aus GE so richtig schwer. Zwei Gegentore konnte das Abwehrbollwerk dennoch nicht verhindern. Einigkeit herrschte in Dortmund-Wickede darüber, dass angesichts dieser grandiosen Absehrschlacht die Herner die eigentlichen Sieger waren. Das Highlight folgte im nächsten Spiel gegen die Mannschaft aus Dortmund, die das Turnier fabelhaft ausgerichtet hatte. Ein bärenstarkes Team, das erneut um den Turniersieg mitspielte. Doch die Herner hatten einiges entgegenzusetzes – und führten nach einem Traumtor von Kevin Zahnhausen, der ansonsten eher weniger durch läuferische Glanzleistungen auffiel, tatsächlich mit 1:0. Tino Trosien, mittlerweile für den erschöpften Trahtenberg ins Tor gewechselt, war beim 1:1 Ausgleich chancenlos. Dennoch feierten die Herner den zweiten Punktgewinn nach dem Spiel ausgelassen.

Über die Kreisgrenzen hinaus als Abwehrorganisator bekannt: Dirk Szkudlarski (M.).

Hagen und Herne hatten jeweils zwei Punkte auf der Habenseite, ein identisches Torverhältnis und auch der direkte Vergleich endete remis. Folglich musste ein Acht-Meter-Schießen herhalten. Niclas Erbach, Kevin Zahnhausen und Yusuf Altuntepe verwandelten souverän, doch Meik Jahr und Dmitri Trahtenberg versagten die Nerven. Danach war klar: Herne muss in der Partie gegen Soest II um den glorreichen 18. Platz antreten.

Im letzten Spiel war nach der regulären Spielzeit kein Sieger gefunden. Nach einem 1:1 – erneut hatte Zahnhausen getroffen – ging es wieder ins Acht-Meter-Schießen. Nach und nach scheiterten die Herner an dem gefühlt 2,50 Meter großen Torhüter der Soester. Eine artistische Einlage gab es von Meik Jahr, der erst mit einem ulkigen Anlauf versuchte, den Torwart zu verwirren, dann aber das Gleichgewicht verlor und beim Schuss auf die Nase fiel. Der Ball kullerte auf den Torhüter zu, der die Kugel vor Lachen beinahe ins Tor rollen ließ. Immerhin sorgten die Fünfzehner, die das Turnier auf einem stolzen 19. Platz beendeten, in der letzten Partie noch für den Lacher des Turniers. „Im taktischen Bereich haben wir noch Defizite, aber wir werden auch beim nächsten Mal alles raushauen“, bilanzierte Trainer Gregor Werkle. „Ich bin sehr stolz auf meine Truppe, die sich nie aufgegeben hat.“

Abseits des grünen Kunstrasens fiel das Team des Kreises 15 mit seiner guten Stimmung auf. Es wurde viel gelacht und gefeiert, weshalb dieses Turnier als wichtige Teambuilding-Maßnahme funktioniert hat. Die Fünfzehner danken den Dortmunder Ausrichtern für das tolle Turnier! Klar ist: Die Schiri-Mannschaft aus Herne und Castrop-Rauxel wird auch im nächsten Jahr gegen den Ball treten.

Text: André Wiegold