„Mit dem Anpfiff war ich sofort wieder drin“

Als Erste aus dem Kreis Herne ist DFB-Schiedsrichterin Nadine Westerhoff zurück auf dem Sportplatz. Die Unparteiische, die für den DSC Wanne-Eickel pfeift, wurde nach der Zwangspause im Zuge der Coronakrise und der Wiederaufnahme des Spielbetriebs in den DFB-Spielklassen von der Schiedsrichter-Kommission bereits für zwei Spiele nominiert: Zunächst für das Viertelfinale im DFB-Pokal der Frauen zwischen Bayer Leverkusen und 1899 Hoffenheim (3:2 n.V.), anschließend für die Begegnung zwischen dem MSV Duisburg und dem 1. FC Köln (1:1) in der Frauen-Bundesliga. Wir sprachen mit Nadine über die ersten Eindrücke und Erfahrungen.

Nadine, der Re-Start ist für dich inzwischen vollzogen. Wie fällt dein Fazit aus nach den beiden Spielen?

Im Großen und Ganzen bin ich sehr zufrieden. Es ist auch für uns Schiedsrichter ein schönes Gefühl, nach einer derart langen Pause wieder auf dem Platz zu stehen. Natürlich sind viele Dinge anders, aber das ist Jammern auf hohem Niveau.

Anders als sonst gab es für Teams und Schiedsrichter keine Vorbereitungsmöglichkeit. Wie hast du den Kaltstart nach drei Monaten empfunden?

Es soll nicht arrogant klingen, aber ich würde die Situation mit Fahrradfahren vergleichen. Man hat es womöglich über einen längeren Zeitraum nicht gemacht – doch dann kehrt man auf den Platz zurück und ist sofort wieder drin. Ich habe mich in meiner Rolle gut gefühlt und die lange Pause ausgeblendet. Heftig waren allerdings die Rahmenbedingungen bei der ersten Partie in Leverkusen: 30 Grad in der prallen Mittagssonne, dazu ein Spiel über 120 Minuten. Das war keine leichte Aufgabe.

Das Gespann um Nadine Westerhoff (Zweite v.r.) in Duisburg.

Wie schätzt du dein körperliches Fitnesslevel ein?

Ganz gut. Ich hatte zuletzt relativ viel Zeit und habe viel Sport machen können. Mein Ehemann und ich haben uns während der Pause gut fitgehalten. In der Regel hole ich mir meine Fitness auf dem Platz, durch Doppeleinsätze am Wochenende. Das war diesmal etwas anders, aber es hat gut funktioniert.

Wie empfindest du die Tatsache, dass keine Zuschauer im Stadion sind?

Da in die Frauen-Bundesliga nicht allzu hohe Zuschauerzahlen erreicht werden, ist der Unterschied nun vergleichsweise gering. Ich versuche in der Regel ohnehin das Publikum auszublenden. Daher ist das Fehlen der Zuschauer für mich persönlich keine große Umstellung.

„Natürlich sind viele Dinge anders, aber das ist Jammern auf hohem Niveau.“

Nadine Westerhoff

Erfahrungsgemäß kommst du bei den Spielerinnen und Spielern vor allem mit deiner kommunikativen Art gut an. Eine Umstellung?

Noch mehr als sonst kommt es nun auf die Art des Umgangs an. Wir hatten zuvor eine Videokonferenz mit dem DFB, bei der wir eindringlich darauf hingewiesen wurden, dass Nebengeräusche derzeit auf ein Minimum reduziert sind und unsere Kommunikation mit den Spielerinnen deshalb verfolgt werden kann. Das ist insbesondere für die Spiele relevant, die live im TV übertragen werden. Mit dem Anpfiff habe ich darüber allerdings nicht mehr nachgedacht. Ich habe agiert wie immer und bin damit auch gut gefahren.

Wann erfährst du, wo du konkret eingesetzt wird?

Wir erhalten aktuell nur eine Voransetzung vom DFB, in der das Datum und das Schiedsrichter-Gespann vermerkt sind. Die finale Ansetzung mit dem konkreten Spiel kommt dann erst kurz vorher. Außerdem weist uns der DFB einen Termin zu, bei dem wir – in der Regel einen Tag vor dem Spiel – auf das Coronavirus getestet werden. Dort trifft man hin und wieder auch Kollegen aus dem Elite-Bereich der Herren. Vor Ort wird ein Abstrich durchgeführt – angenehm ist anders, das kann ich jetzt behaupten – und bei einem negativen Ergebnis erhalten wir am Abend oder am Folgetag die offizielle Ansetzung für die jeweilige Partie…

… zu der du auch alleine anreisen musst?

Ja, die alleinige Anreise ist verpflichtend, sowohl zum Test als auch zum Spiel selbst. Das Zwischenmenschliche, etwa die einfache Unterhaltung im Auto, fällt weg. Das ist natürlich schade, aber absolut nachvollziehbar. Gleichwohl empfinde ich es als positiv, dass wir aktuell in räumlicher Nähe unserer Wohnorte eingesetzt werden – ich bleibe also aller Voraussicht nach in NRW. Außerdem: Durch die regelmäßigen Tests weiß ich immer, dass ich gesund bin.

Wie hat sich der Ablauf vor dem Spiel verändert?

Am Spielort sorgt viel Sicherheitspersonal für einen reibungslosen Ablauf. Zum Stadion selbst gelangt man nur mit eigener Berechtigung. Dort wird dann auch nochmal Fieber gemessen. Anschließend geht es direkt in die Kabine. Platzbegehung, Ausrüstungskontrolle und Obligatorisches vor dem Anpfiff geschieht nur mit Mundschutz. Es ist gewöhnungsbedürftig, aber die Gesundheit aller Beteiligten geht natürlich vor.